Scharlachroter Kelchbecherling, Österreichischer Prachtbecherling, Sarcoscypha austriaca & coccinea

Bei Prachtbecherlingen handelt es sich um verschiedene Arten mit nahezu identischen, Habitatsansprüchen, makroskopischen Merkmalen und Speisewert. Prachtbecherlinge sind Folgezersetzer die typischerweise auf totem Laubholz in Au- oder Mischwäldern zu finden sind. Prachtbecherlinge bevorzugen dabei das Totholz von Erle, Esche, Espe und Weide. Die Hauptsaison bei den Prachtbecherlingen startet im Januar und endet im März. Insgesamt finden kann man Prachtbecherlinge von Dezember bis Mai. Prachtbecherlinge sind ungiftig und können theoretisch für Speisezwecke gesammelt werden. Nur in Regionen, in denen Prachtbecherlinge selten sind, sollten Prachtbecherlinge ausnahmslos geschont werden. Typisch für Prachtbecherlinge ist das Erscheinen im Winter & Frühling auf totem Laubholz in Au- und Laubmischwäldern, die farbenfrohen, scharlachroten, meist becher- bis schüsselartig geformten Fruchtkörper, die im Inneren der Becherlinge häufig deutlich intensiveren, an der Außenhaut deutlich helleren Farben, das Verblassen der Fruchtkörper bei zu trockener Witterung, sowie der weitestgehend neutrale Geruch und Geschmack.


Bezeichnung

Scharlachroter Kelchbecherling, Zinnoberroter Kelchbecherling, Blutroter Kelchbecherling, Österreichischer Prachtbecherling, Scharlachroter Prachtbecherling, Zinnoberroter Prachtbecherling, Sarcoscypha austriaca, Sarcoscypha coccinea

Gattung

Sarcoscypha, Becherlinge

Verwechslung

Diese Art finden

Prachtbecherlinge sind Folgezersetzer die typischerweise auf totem Laubholz in Au- oder Mischwäldern zu finden sind. Prachtbecherlinge bevorzugen das Totholz von Erle, Esche, Espe und Weide. Neben der Vorliebe für totes Laubholz bevorzugen Prachtbecherlinge auch kalkreiche und sandige Böden. Die Hauptsaison bei den Prachtbecherlingen startet im Januar und endet im März. Insgesamt finden kann man Prachtbecherlinge von Dezember bis Mai. 

Wir finden Prachtbecherlinge bei uns in den Landkreisen Mühldorf je nach Habitat von Dezember bis März oder von Februar bis April. Vor allem an Südhängen geht es bei den Prachtbecherlingen dabei oft schon um Weihnachten mit erstem Wachstum los. In schattigeren Habitaten zeigen sich die Prachtbecherlinge oft erst im Februar, sind dort dann aber meist viel länger mit frischem Wachstum zu beobachten als an Südhängen.

Speisewert & Verwendbarkeit

Prachtbecherlinge sind ungiftig und können, zumindest in Regionen in denen sie häufig zu finden sind, in kleinen Mengen für Speisezwecke gesammelt werden. Prachtbecherlinge sind was den Speisewert betrifft im deutschsprachigen Raum aber weitestgehend unbekannt und werden so gut wie nicht gesammelt. In anderen Ländern, vor allem England, scheinen Prachtbecherlinge deutlich bekannter zu sein und häufiger gesammelt zu werden.

Eine Möglichkeit der Zubereitung ist das kurze frittieren der Becherlinge. Die Prachtbecherlinge werden für 30-40 Sekunden frittiert, um dann mit verschiedenen Füllungen versehen zu werden. Die so entstehenden "Häppchen" sind vor allem im England eine bekannte Delikatesse. Wer nach Rezepten für Prachtbecherlinge sucht, der sollte eher nach Rezepten für den "Scarlet elf cup" suchen - hier wird man auf alle Fälle fündig.

Betonen möchten wir an der Stelle aber nochmal, dass Prachtbecherlinge regional durchaus selten ausfallen können, der Eigengeschmack der verschiedenen Arten sich doch irgendwo stark in Grenzen hält und das Sammeln von Prachtbecherlingen - wenn überhaupt - mit Bedacht geschehen sollte. Was eigentlich immer gilt, gilt hier besonders

  • Bei genereller Seltenheit der Prachtbecherlinge in einer Region lieber schonen & nicht sammeln
  • Bei Verdacht auf eine seltene Prachtbecherlingsart vorsichtshalber schonen & nicht sammeln
  • Bei vielen bekannten Prachtbecherlingshabitaten in einer Region und / oder Massenfunden spricht nichts dagegen einen kleinen Teil der Fruchtkörper für Speisezwecke zu sammeln


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Beschreibung

Prachtbecherlinge bilden kelch- bis schüsselförmige Fruchtkörper aus, die immer fest mit totem Laubholz verbunden sind. Es kann sich dabei um kleine Bruchstücke von dünnen Zweigen, aber auch dickere Stämme von totem Laubholz handeln. Auch Prachtbecherlinge, die scheinbar auf dem Boden wachsen, wachsen in der Regel auf vergrabenem Totholz. 

Namensgebend sind für die verschiedenen Prachtbecherlinge vor allem die leuchtenden, scharlach- oder auch zinnoberroten Farben, die Prachtbecherlinge vor allem in der Innenseite der Fruchtkörper fast immer besitzen. Außen reicht das Farbspektrum je nach Frische und Feuchtigkeitsgehalt der Fruchtkörper meist von leuchtend rötlich über rotorange zu rotweißlich oder selten und dann meist komplett vertrocknet sogar nur weißlich. 

Teilweise besitzen Prachtbecherlinge außen eine kleiige oder sogar feinhaarige Struktur. Prachtbecherlinge sind, abgesehen von einigen immer gleichen Kernmerkmalen, sehr vielgestaltig. Von langstieligen Fruchtkörpern mit kleinem Becherchen an der Spitze, zu ungestielten aber deutlich becher- bis schüsselartig geformten bis selten im Alter auch mal fast flach ausgebreiteten Fruchtkörperformen ist alles möglich. 

Das Fleisch der Prachtbecherlinge ist orangeweißlich bis rötlich gefärbt und besitzt eine brüchige, wachsartige Konsistenz. Das Fleisch besitzt einen weitestgehend neutralen Geruch und Geschmack. Das Sporenpulver ist transparent bis leicht weißlich gefärbt.

Kernmerkmale

  • Erscheinen im Winter & Frühling auf totem Laubholz
  • Erscheinen gerne in Au- und Laubmischwäldern
  • Bevorzugtes Substrat Erle, Espe, Esche, Weide
  • Farbenfrohe, scharlachrote becherlingsartige Fruchtkörper
  • Fruchtkörper dabei vor allem innen scharlachrot
  • Fruchtkörper außen oft deutlich heller, weißlich bis weißrötlich
  • Fruchtkörper nur gut durchfeuchtet blutrot, vertrocknend stark verblassend
  • Weitestgehend neutraler Geruch und Geschmack

Österreichischer, Scharlachroter oder Lindenkelchbecherling?

Es gibt verschiedene Prachtbecherlings-Arten, die anhand ihrer makroskopischen Merkmale nicht bzw. nur sehr unsicher unterschieden werden können. Besonders ähnlich sind sich der Österreichische Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca) und der Scharlachrote Kelchbecherling (Sarcoscypha coccinea). Beide Arten erscheinen im Winter & Frühling auf totem Laubholz, beide Arten besitzen den gleichen Speisewert und beide Arten besitzen makroskopisch nahezu identische Fruchtkörper, weshalb wir mit diesem Pilzportrait eigentlich beide Arten beschreiben.

Alle von uns gemachten Funde die über die Jahre vereinzelt mikroskopiert wurden, kamen als Österreichischer Prachtbecherling zurück. Der Scharlachrote Kelchbecherling scheint, auch laut Fundberichten & Kartierungsdaten, in Deutschland deutlich, deutlich seltener auszufallen. Folgende Merkmale würden bei uns einen Verdacht auf Scharlachrote Kelchbecherlinge auslösen: 

  • Neu entdecktes Prachtbecherlingshabitat in Kombination mit
  • Wärmebegünstigter Standort (z. B. Südhanglagen)
  • Ein feiner aber auffällig fransig-haariger Rand der Becherlinge

Ebenfalls sehr ähnlich ist der Lindenkelchbecherling. Auch diese Art ist scharlachrot gefärbt, erscheint ebenfalls zur gleichen Zeit auf totem Laubholz, bevorzugt aber das Totholz der Linde als Substrat. Die Art soll laut der Literatur auch auf anderen Laubholzzweigen erscheinen können, der überwiegende Teil der seltenen Lindenkelchbecherlingsfunde dürfte aber tatsächlich bei Linde gemacht werden. Ohne Linde gibt es aus unserer Sicht nach aktuellem Stand aber keinen handfesten Grund den Lindenkelchbecherling bei einem Prachtbecherlingsfund sofort in die engere Auswahl bei der Bestimmung zu nehmen.

Zusammengefasst: Die wirklich sichere Unterscheidung der drei scharlachroten Becherlinge ist nur mikroskopisch möglich. Ohne hinreichenden Verdacht auf den Scharlachroten oder den Lindenkelchbecherling kann man ohne schlechtes Gewissen vom Österreichischen Prachtbecherling ausgehen, oder anders formuliert: Ohne hinreichenden Verdacht auf einen möglichen Erstfund des Scharlachroten oder des Lindenkelchbecherlings macht es für uns keinen Sinn jeden Prachtbecherlingsfund mikroskopieren zu lassen. In grob geschätzt 98 von 100 Fällen wird es sich - zumindest bei uns im Südosten - um den Österreichischen Prachtbecherling handeln. Wer seine Bestimmung aber abgesichert haben möchte, der kommt um das Thema Mikroskopie oder einen netten Pilzfreund mit einem scharfen Glas in diesem Fall leider nicht herum.

Auf das Sammeln für Speisezwecke hat dieses spannende Thema aber, abgesehen von der Seltenheit einiger Arten, keinen großen Einfluss. Alle drei relevanten Kelchbecherlinge haben den gleichen Speisewert. Zwar sollten die seltenen Arten natürlich geschont werden, rein auf den Speisewert bezogen wäre eine Verwechslung der Kelch- bzw. Prachtbecherlinge aber ansonsten unkritisch. Da alle anderen bei uns im Winter & Frühling erscheinenden Becherlinge keine blut- oder scharlach- oder zinnoberroten Farben besitzen, sind die Prachtbecherlinge auch sonst nicht wirklich mit ungenießbaren oder giftigen Arten zu verwechseln.

Synonyme

Peziza austriaca, Peziza imperialis, Scutellinia imperialis, Lachnea austriaca, Molliardiomyces coccineus