Scheibchenlorchel, Gyromitra ancilis
Die Scheibchenlorchel ist ein Folgezersetzer und erscheint vor allem von März bis Mai auf alten, modernden und gerne auch bemoosten Stümpfen von Fichte und Kiefer. Scheibchenlorcheln sind korrekt zubereitet essbar und sollen laut der Literatur einen hervorragenden Speisewert besitzen. Da wir alle gyromitrinhaltigen Arten strikt meiden kommt die Scheibchenlorchel für uns nicht als Speisepilz in Frage. Typisch für die Scheibchenlorchel ist das Erscheinen im Frühling auf morschen, bemoosten Nadelholzstümpfen, die erst kleinen, zierlichen, hellgrauen bis weißbräunlichen becherförmigen Fruchtkörper, das deutliche Abflachen und umfärben der Fruchtkörper zu einem kräftigen rotbraun, die teilweise an Morchelbecherlinge erinnernde, aderige Oberfläche Fruchtkörper, der kurze, rillige bis gefurchte Stiel, das weißliche, wachsartig brüchige Fleisch, sowie ein weitestgehend neutraler Geruch.
Bezeichnung
Gattung
Verwechslung
- Essbar: Morchelbecherling, Disciotis venosa
- Essbar: Schildförmige Scheibchenlorchel, Gyromitra parma
- Ungenießbar: Gewundener Becherling, Pachyella clypeata
- Ungenießbar: Erdige Scheibchenlorchel, Discina geogenius
- Ungenießbar: Rotbrauner Becherling, Peziza depressa
Diese Art finden
Die Nadelwald-Scheibchenlorchel, kurz Scheibchenlorchel, ist ein Folgezersetzer und erscheint auf alten, modernden und gerne auch bemoosten Stümpfen von Fichte und Kiefer. Wir finden die Scheibchenlorchel vor allem im März und April in Auwäldern mit größeren Nadelholzbeständen. Die Art kommt bei uns in Oberbayern aber auch in normalen Nadelmischwäldern verbreitet vor und ist bei uns in der Region nicht wirklich als selten zu beschrieben.
Das Vorkommen von Scheibchenlorcheln schwankt aber auch bei uns von Jahr zu Jahr stark und auch auf Stümpfen mit bekannten Vorkommen bildet die Art nicht jedes Jahr Fruchtkörper. Es kann durchaus passieren, dass auf einem großen Stumpf vierzig oder fünfzig Fruchtkörper gebildet werden, sich die Art dann mehrere Jahre nicht mehr zeigt und dann plötzlich doch wieder mit zahlreichen Fruchtkörpern in Erscheinung tritt.
Speisewert & Verwendbarkeit
Scheibchenlorcheln sind korrekt zubereitet essbar und sollen laut der Literatur einen hervorragenden Speisewert besitzen. Da wir alle gyromitrinhaltigen Arten strikt meiden kommt die Scheibchenlorchel für uns nicht als Speisepilz in Frage.
Gyromitrin ist zwar hitzeinstabil und verflüchtigt sich durch ausreichendes Garen wohl weitestgehend, aber selbst die dabei entstehenden Dämpfe (vor allem stark gyromitrinhaltiger Arten) können gefährlich sein. Auch die Gefahren von Folgeschäden durch wiederholten Verzehr, Gyromitrinrückständen in vermeintlich korrekt zubereiteten Fruchtkörpern, oder auch das immer wieder Einatmen auch geringer Mengen an Gyromitrin-Dämpfen sind nicht zu vernachlässigen und können potentiell wohl eine auch langfristige gesundheitsschädliche Wirkungen besitzen.
Hinzu kommt, dass mit Arten wie den Morchelbecherlingen, Speise- und Spitzmorcheln, sowie den verschiedenen Verpeln zur gleichen Zeit eine Vielzahl an unkritischen und nicht gyromitrinhaltigen Arten als Alternativen zur Verfügung stehen. Wir empfehlen deshalb die Scheibchenlorcheln nicht für Speisezwecke zu sammeln.
Beschreibung
Scheibchenlorcheln bilden zunächst gerne gesellig wachsende, kleine weißbräunlich bis weißgräuliche, becherförmige Fruchtkörper aus. Die Fruchtkörper wachsen gerade zu Beginn sehr langsam und färben in diesem Zeitraum dann meist zu einem kräftigen rotbraun um.
Mit zunehmendem Alter verliert sich die für junge Fruchtkörper relativ typische, becherartige Form der Scheibchenlorcheln. Die Fruchtkörper werden immer flacher und wirken dann oft wie ein flach auf dem Totholz aufliegender Schild. Die Oberfläche der Fruchtkörper kann aderig wirken und teilweise stark an Morchelbecherlinge erinnern.
Die Außenseite der Fruchtkörper ist durchgehend deutlich heller, braunweißlich bis weißlich gefärbt. Scheibchenlorcheln besitzen einen relativ typischen, kurzen und vor allem rillig-gefurchten Stielansatz, der direkt aus dem morschen Nadelholz entspringt.
Während die Fruchtkörper von ganz jungen Scheibchenlorcheln oft nicht mal einen Durchmesser von einem Zentimeter erreichen, können ausgewachsene Fruchtkörper durchaus einen Durchmesser im zweistelligen Zentimeterbereich erreichen und damit tatsächlich vergleichsweise groß ausfallen.
Das Fleisch der Scheibchenlorcheln fällt typisch morchel-lorchel-verpelartig, also brüchig / wachsartig, aus und besitzt einen weitestgehend neutralen, jedoch in keinem Fall einen an Chlor erinnernden Geruch. Die Geschmacksprobe soll mild ausfallen, sollte wegen dem Gyromitringehalt der Art aber vermieden werden. Das Sporenpulver ist weiß gefärbt.
Kernmerkmale
- Erscheinen auf morschen, bemoosten Nadelholzstümpfen
- Erscheinen zur typischen Morchelzeit (Februar bis Mai)
- Erst kleine, hellgraue bis weißbräunliche Becherchen
- Kräftigere bräunliche bis rotbräunliche Farben mit zunehmendem Alter
- Ein deutliches Abflachen der Fruchtkörper mit zunehmendem Alter
- Teilweise deutlich aderige, an Morchelbecherlinge erinnernde Oberfläche
- Kurzer, rilliger, gefurchter Stiel, der direkt aus dem morschen Nadelholz entspringt
- Weißliches, wachsartig brüchiges Fleisch
- Weitestgehend neutraler Geruch & vor allem kein Chlorgeruch
Synonyme
Peziza ancilis, Discina ancilis, Helvella ancilis, Aleuria ancilis, Acetabula ancilis