Samtfußrübling, Winterrübling, Flammulina velutipes
Samtfußrüblinge sind Folgezersetzer, die man typischerweise von November bis Februar auf totem Laubholz, gerne Ahorn, Weide, Pappel oder Buche findet. Seltener sind Funde auf anderem Laubholz möglich. Die verschiedenen Samtfußrüblings-Arten werden zwar meist als typische Winterpilze beschrieben und werden meist auch in den typischen Wintermonaten gefunden, sie können aber durchaus ganzjährig Fruchtkörper bilden. Alle im deutschsprachigen Raum häufigen Samtfußrüblinge sind essbar, haben einen sehr tollen Speisewert und können auch gefroren für Speisezwecke gesammelt werden. Typisch für Samtfußrüblinge ist das Erscheinen im Winter auf Laubholz, das büschelige Wachstum, die meist leuchtend gelben bis gelborangen Grundfarben, die weißlichen bis gelblichen, ausgebuchtet angewachsenen Lamellen, der ringlose, schuppenlose und nie silbrig überfaserte Stiel, der jung gelb bis gelborange und im alter namensgebend samtige und dann bräunlich bis dunkelbräunlich gefärbte Stiel, der pilzige Geruch und der milde bis leicht herbe Geschmack.
Bezeichnung
Gattung
Verwechslung
- Essbar: Stockschwämmchen, Kuehneromyces mutabilis
- Essbar: Rauchblättriger Schwefelkopf, Hypholoma capnoides
- Ungenießbar: Wintertrompetenschnitzling, Tubaria furfuracea
- Ungenießbar: Safranroter Schüppling, Pholiota astragalina
- Giftig: Gifthäubling, Galerina marginata
- Giftig: Gefleckter Flämmling, Gymnopilus penetrans
- Giftig: Samtschuppiger Tannenflämmling, Gymnopilus sapineus
- Giftig: Grünblättriger Schwefelkopf, Hypholoma fasciculare
- Giftig: Ziegelroter Schwefelkopf, Hypholoma lateritium
Diese Art finden
Samtfußrüblinge sind eine Artengruppe, die als Folgezersetzer typischerweise auf totem Laubholz gefunden werden. Typische Habitate sind Laub- und Laubmischwälder mit Ahorn, Buche und Pappel, oder Auwälder mit Weide und Esche. Vor allem auf Ahorn und Weide finden wir die verschiedenen Samtfußrüblings-Arten mit Abstand am Häufigsten. Alle bei uns heimischen Samtfußrüblinge sind essbar und besitzen ungefähr den gleichen Speisewert, weshalb eine Unterscheidung der verschiedenen Samtfußrüblinge rein auf den Speisewert bezogen nicht relevant ist.
Den Trivialnamen Winterrübling haben sich Samtfußrüblinge durch das häufige Erscheinen in den Wintermonaten verdient. Samtfußrüblinge gehören dabei zu ganz wenigen frostresistenten Arten, die man auch ohne Probleme tiefgefroren sammeln kann. Die meisten Chancen auf schöne Funde hat man im Zeitraum November bis Februar, aber auch über das restliche Jahr verteilt sind Funde bei den Samtfußrüblingen möglich.
Unser bisher verrücktester oder vielleicht auch unerwartetster Fund bei den „Winterrüblingen“ gelang am zehnten August 2024. Bei einer Bergwanderung - mitten in einer Hitzewelle im Hochsommer - zeigten sich auf ungefähr 800 Höhenmetern einige frische Samtfußrüblinge auf am Wegesrand gestapelten Brennholz. Auch wenn es sich um einen Bergwald gehandelt hat – Frost gab es zu diesem Zeitpunkt dort sicher seit einigen Wochen nicht mehr. Auch wenn Samtfußrüblinge sehr oft von einem gewissen Kältereiz profitieren: Frost ist kein Muss für frisches Wachstum.
Das beste Winterwetter für Samtfußrüblinge: Nasskalte Witterung mit maximal leichten Nachtrfrösten und deutlichen Plusgraden am Tag, gerne durchsetzt mit Regenschauern. Samtfußrüblinge sind zwar frostresistent, stellen ihr Wachstum bei zu kalten Temperaturen aber ein und sind dann nicht mehr mit frisch wachsenden Fruchtkörpern zu finden, bis Tauwetter einsetzt und wieder ausreichend Feuchtigkeit für frisches Wachstum zur Verfügung steht.
Speiswert und Verwendbarkeit
Samtfußrüblinge gehören zu den beliebtesten und besten Speisepilzen und werden vor allem im Winter verbreitet gefunden, gesammelt und verzehrt. Durch die Häufigkeit und das gerne auch büschelige Wachstum sind Samtfußrüblinge trotz der verhältnismäßig dünnfleischigen und maximal mittelgroßen Fruchtkörper sehr ergiebig. Wenn man sich an den wichtigsten Kernmerkmalen der Samtfußrüblinge orientiert und einige wichtige Grundregeln beachtet, dann sind Samtfußrüblinge auch für Anfänger geeignet. Die wichtigsten Grundregeln:
- Samtfußrüblinge erscheinen nie auf Nadelholz
- Samtfußrüblinge besitzen nie einen Stielring
- Samtfußrüblinge besitzen nie Schuppen am Stiel
- Samtfußrüblinge besitzen nie einen silbrig überfaserten Stiel
- Samtfußrüblinge besitzen nie brauen Lamellen
- Samtfußrüblinge besitzen nie dunkles Sporenpulver
Diese einfachen Grundregeln sollen Verwechslungen mit potentiell stark giftigen Arten, wie zum Beispiel den Gifthäublingen, vermeiden.
Samtfußrüblinge sind aber nicht nur leckere Speisepilze, sondern auch sehr gesund. Samtfußrüblinge sollen krebshemmende, blutdruck-, blutzucker- und cholesterinsenkende Stoffe enthalten. Zusammengefasst:
- Leicht zu bestimmen & mit etwas Hintergrundwissen kaum zu verwechseln
- Im Winter- & sogar gefroren ohne Probleme sammelbar
- Durch Häufigkeit & büscheliges Wachstum sehr ergiebig
- Aromatisch pilziger Geschmack
- Durch Vitalpilzeigenschaften auch noch sehr gesund
Beschreibung
Samtfußrüblinge wachsen in der Regel mit zahlreichen Fruchtkörpern aus totem Laubholz heraus. Vor allem bei dickeren Stämmen können sich an verschiedenen Stellen im Substrat zahlreiche Fruchtkörpercluster bilden. Die Hutoberseite ist dabei meist kräftig orange gefärbt. Bei ganz jungen Fruchtkörpern sind deutlich hellere, gelbweißliche bis hellgelborange und im Alter dunklere, dunkelorangebräunliche, Farben möglich. Einige Samtfußrüblings-Arten sind für eine gewisse Rostfleckigkeit der Hutoberseite bekannt.
Der Hutdurchmesser einzelner Samtfußrüblinge liegt meist im Bereich zwischen vier und acht Zentimetern. Je nach Wachstumsbedingungen und Samtfußrüblingsart sind teilweise Hutdurchmesser von bis zu zwanzig Zentimetern möglich. Solche Größen waren bei unseren Funden aber bisher die Ausnahme. Auf der Hutunterseite befinden sich bei alle Samtfußrüblingsarten ausgebuchtet angewachsene Lamellen. Die Lamellen sind bei einigen Arten jung weißlich gefärbt und verfärben sich im Alter dann maximal hellgelblich. Bei einigen Arten sind die Lamellen schon jung hellgelblich gefärbt. Das Sporenpulver ist weiß gefärbt.
Der Stiel der Samtfußrüblinge erreicht in der Regel eine Länge von vier bis zwölf und einen maximalen Durchmesser von bis zu eineinhalb Zentimetern. Oft entspringen aus einem Strunk dabei mehrere Fruchtkörper. Der Stiel ist vor allem bei jungen Fruchtkörpern nicht wirklich samtig, dann noch gelblich bis gelborange gefärbt und kann komplett verwendet werden. Erst mit zunehmendem Alter verfärbt sich Stiel dann bräunlich bis dunkelbräunlich und fällt namensgebend samtig, dann aber leider auch gummiartig zäh aus und sollte dann nicht mehr für Speisezwecke verwendet werden. Bei größeren Fruchtkörpern fällt der Stiel in der Regel hohl aus.
Der brauchbare Teil des Fleisches ist hellgelblich gefärbt und besitzt eine eher faserige statt zähe Konsistenz. Das Fleisch des samtigen Stielteils kann deutlich dunkler und wie beschrieben gummiartig zäh ausfallen und ist dann nicht mehr brauchbar. Geruch und Geschmack fallen bei fast allen Arten angenehm pilzig aus. Der Weißblättrige Samtfußrübling besitzt einen leicht herben Geschmack, der nach der Zubereitung aber nicht auffällt.
Kernmerkmale
- Typischerweise im Winter auf totem Laubholz zu finden
- Gerne büscheliges Wachstum & nur selten einzeln zu finden
- Typische, leuchtende gelbe bis gelborange Farben
- Lamellen weißlich bis gelblich & ausgebuchtet am Stiel angewachsen
- Stiel ringlos, ohne Schuppen, nie silbrig überfasert
- Stiel jung meist gelb bis gelborange & von der Basis aus dunkel umfärbend
- Stiel im Alter zum Großteil samtig braun bis schwarz & gummiartig zäh
- Fast alle Samtfußrüblinge mit durchgehend milden Geschmack
Häufige Fragen zum Thema Samtfußrüblinge
Kann man Samtfußrüblinge gefroren sammeln?
- Samtfußrüblinge gehören zu den wenigen auch im Winter / gefroren sammelbaren Speisepilzen
Kann man Samtfußrüblinge nur im Winter finden? Kann man Samtfußrüblinge im Sommer finden?
- Funde sind ganzjährig möglich, wobei die meisten Funde im Zeitraum November bis Februar möglich sind
Kann man Samtfußrüblinge einfrieren?
- Samtfußrüblinge können ohne Probleme eingefroren werden. Wer sich die Verarbeitung leicht machen will, der kann die Samtfußrüblinge küchenfertig vorbereiten und dann vereinzelt einfrieren. Das erleichtert nach dem Einfrieren das Portionieren
Kann man die Stiele von Samtfußrüblingen verwenden?
- Die Stiele von Samtfußrüblingen sind in der Regel bis auf den dunklen, samtigen Teil ohne Probleme verwendbar. Vor allem bei jungen Fruchtkörpern ist ein großteil, oder ggf. vielleicht sogar noch der komplette Stiel gelblich gefärbt und kann dann ohne Probleme komplett verwendet werden. Sobald die Stiele umfärben werden die Stiele sehr zäh. Wir verwenden die Stiele dann nicht mehr.
Gibt es gefährliche Verwechslungspartner?
- Es gibt vor allem in der Übergangszeit vom Herbst zum Winter zahlreiche, auch gefährliche Verwechslungspartner. Es kommt hier immer wieder vor, dass kurz vor dem ersten harten Wintereinbruch noch Gifthäublinge, Geflecktblättrige Flämmlinge, Grünblättrige Schwefelköpfe oder auch Herbstspeisepilze wie Stockschwämmchen und Rauchblättrige Schwefelköpfe gewachsen sind, die zumindest auf den ersten Blick an Samtfußrüblinge erinnern können. Achtet man auf die typischen Samtfußrüblings-Nogos (nicht auf Nadelholz, keine braune Lamellen, kein braunes Sporenpulver, kein Stielring, keine Schuppen am Stiel, kein silbrig überfaserter Stiel, etc.) dann kann man die Artengruppe der Samtfußrüblinge nicht mit anderen Arten und vor allem gefährlichen Verwechslungspartnern verwechseln.
Kann man Smatfußrüblinge züchten?
- Samtfußrüblinge können gezüchtet werden und gehören zu den am häufigsten gezüchteten Arten überhaupt. Typischerweise werden Samtfußrüblinge dann unter dem Namen “Enoki” oder “Goldpilze” vermarktet.
Die verschiedenen Samtfußrüblinge
Wir unterscheiden die verschiedenen Samtfußrüblinge zwar in der Regel nicht, dennoch geben einige Merkmale hinweiße darauf, um welche Samtfußrüblingsart es sich handelt. Die exakte Bestimmung auf Artebene ist aber schwierig und ohne mikroskopische Absicherung in vielen Fällen auch nicht sicher. Da aber vor allem die häufigeren Samtfußrüblinge eigentlich den identischen Speisewert besitzen ist eine Artabgrenzung zwischen den Samtfußrüblingen nicht erforderlich. Die bei uns heimischen Samtfußrüblinge kurz und bündig zusammengefasst:
Gemeiner Samtfußrübling, Flammulina velutipes
- Hutdurchmesser teilweise über zehn Zentimeter
- Stiel teilweise über zehn Zentimeter lang
- Eher dunklere (gelborange bis gelborangebraune) Hutfarben
- In der Regel immer mehr gelbliche als weißliche Lamellen
- Vorkommen auf verschiedenen Laubhölzern, gerne Ahorn, Buche, etc.
- Geschmacksprobe durchgehend mild
Weißblättriger Samtfußrübling, Flammulina fennae
- Hutdurchmesser in der Regel nicht über zehn Zentimeter
- Stiel in der Regel nicht länger als zehn Zentimeter
- Hutoberseite gelbweißlich gefärbt hellgelbbräunlich & gerne etwas rostfleckig
- Meist sehr helle, jung weißliche und später weißgelbliche Lamellen
- Vorkommen auf verschiedenen Laubhölzern, gerne Ahorn, Buche, etc.
- Geschmacksprobe insgesamt mild, aber mit herber bis leicht bitterlicher Geschmackskomponente
Weiden-Samtfußrübling, Flammulina elastica
- Hutdurchmesser in der Regel nicht über zehn Zentimeter
- Stiel in der Regel deutlich unter zehn Zentimeter lang
- Hutoberseite gelbbräunlich & gerne rostfleckig
- Lamellen weißgelblich bis hellgelblich
- Vorkommen auf verschiedenem Laubholz, gerne Weide
- Geschmacksprobe durchgehend mild
Hauhechel-Samtfußrübling, Flammulina ononidis
- Hutdurchmesser in der Regel nicht über fünf Zentimeter
- Stiel tief in der Erde wurzelnd, teilweise bis zu zwanzig Zentimeter lang
- Hutoberseite gelbbräunlich bis honiggelb gefärbt
- Lamellen jung gelbweißlich bis hellgelblich
- Sehr selten, Vorkommen nicht auf Totholz, sondern im Wurzelbereich vom Dornigen Hauhechel zu finden
- Geschmacksprobe durchgehend mild
Synonyme
Flammulina velutipes var. lactea, Flammulina velutipes var. radicans, Flammulina velutipes var. cytiseicola, Flammulina velutipes var. himalayana, Flammulina velutipes f. vinaceoroseolus, Flammulina velutipes var. campolameirana, Flammulina velutipes f. brevipes, Collybia velutipes, Collybia veluticeps, Collybia eriocephala, Collybia velutipes var. spongiosa, Collybia velutipes var. alba, Collybia velutipes f. aestivalis, Collybia velutipes f. curta, Collybia velutipes var. praecox, Collybia velutipes var. solida, Collybia velutipes var. pusilla, Collybia velutipes var. lactea, Collybia velutipes var. rubescens, Collybia velutipes var. nana, Flammula nigripes, Flammula veluticeps, Panaeolus veluticeps, Phylloporus veluticeps, Pleurotus velutipes, Pleurotus velutipes var. lacteus, Myxocollybia velutipes, Gymnopus velutipes, Agaricus velutipes, Agaricus sphinx, Agaricus nigripes,Agaricus fuscipes, Agaricus atropes, Agaricus veluticeps, Agaricus velutipes var. rubescens, Agaricus veluticeps, Agaricus velutipes var. atropes, Agaricus velutipes var. pusilla, Agaricus velutipes var. rufipes, Agaricus velutipes var. sphinx, Agaricus velutipes var. fuscipes